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20.4.2018 : 10:50 : +0200

Bericht 2007 - Schüleraustauschfahrt

Nishni Nowgorod vom 12.-26.10.2007

1.  Teilnehmer: 

Unsere Gruppe bestand aus 29 Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 ps (Profil Sprachen),  und drei KollegInnen.  Die Schüler haben seit Klasse 7 Unterricht in Russisch als dritter Fremdsprache und konnten sich daher, wenngleich keineswegs perfekt, mit ihren Gastgebern auch auf Russisch verständigen.  Da unsere Partnerschule, das Gimnazija No. 1, eine Schule mit verstärktem Deutschunterricht ist, war von russischer Seite für funktionierende Kommunikation auf Deutsch gesorgt.

2.  Reise:

Drei Wochen vor Antritt unserer Reise stand das Unternehmen auf Messers Schneide, da unsere russischen Partner uns von einer Meningitis-Epidemie vor Ort berichteten.  Nach gründlichen Erkundigungen bei allen möglichen dafür zuständigen Einrichtungen entschlossen Kollegen und Eltern sich, die Reise trotz der beunruhigenden Nachricht durchzuführen, da es sich bei den Erkrankungen um virale Meningitis handelt.  Diese Form der Krankheit ist weniger gefährlich als die bakterielle.

Wir fuhren per Bus nach Hamburg Fuhlsbüttel, flogen mit der Lufthansa nach Moskau und wurden dort von unseren russischen Partnerinnen mit einem Bus abgeholt.  Da wir erst am späten Nachmittag in Moskau ankamen, war Weiterreise am selben Tag nicht vorgesehen und wir übernachteten in einem Jugendhotel, dem Moscow Home-Hostel.  Die Unterbringung war beengt, die Bettwäsche wurde erst peu à peu getrocknet, die Waschgelegenheiten waren winzig und teilweise nur durch Überklettern der Toilettenschüssel zu erreichen, die Bezahlung musste entgegen den Informationen im Internet in Bar erfolgen und das Internet funktionierte nicht.  Das Frühstück konnte erst durch komplizierte Bemühungen von 10:30 Uhr morgens auf 9:30 vorgezogen werden.  Alles in Allem:  das nächste Mal werde ich versuchen, auf eine Übernachtung in Moskau zu verzichten und stattdessen vielleicht eine Übernachtung in Berlin einlegen, um von dort früh morgens nach Moskau zu fliegen. 

Am nächsten Morgen fand eine Stadtrundfahrt mit Besichtigung des Kremls statt, die leider etwas unter Zeitdruck und strömendem Regen bei gleichzeitigem Beschlagen der Fensterscheiben litt.  Nach einer Mittagsmahlzeit in einem Café wurden wir zum Kurskij Wokzal gefahren, von wo wir per Schnellzug nach Nishni Nowgorod fuhren.  Dort wurden wir etwa gegen 22 Uhr von den Gastgebern abgeholt und verbrachten den Sonntag in den Familien.

3.  Aufenthalt in Nishni Nowgorod

Am Montagmorgen wurde unsere Gruppe in der Schule begrüßt und lernte anschließend die Stadt bei einer Rundfahrt kennen.  Nachmittags fand in der Schulkantine ein Begrüßungsfest statt, bei dem unsere Schüler und ihre Partner sich offensichtlich gut vergnügten. 

In den folgenden Tagen nahmen unsere Schüler am Unterricht teil, jeweils in kleineren Gruppen, und bereiteten ein buntes Programm für den letzten Tag unseres Aufenthaltes vor.  Sie lernten verschiedene russische Lieder, probten Sketche auf russisch und auf deutsch und konnten leider ihre zu Hause vorbereiteten musikalischen Beiträge nicht einbringen, da das Gimnazija No. 1 nicht über ein funktionierendes Klavier verfügt.  (!) 

Daneben fanden statt:

  • ein Ausflug nach Semjonow (Matrjoschka-Werkstätten),
  • zwei Besuche in einem Jugendclub (heimatkundliche Aktivitäten:  Volkstanz, Tonarbeiten, Malen, Werken),
  • ein Ausflug in die altrussische Stadt Gorochowetz (Goldener Ring),
  • ein Empfang bei der Stadtverwaltung
  • eine Begegnung mit den Mitgliedern des Nishegoroder Schülerparlaments
  • die Besichtigung einer Moschee und eines orthodoxen Klosters mit Belehrung über die beiden Religionen,
  • ein  Besuch des Pantomimentheaters „Piano“ (Einrichtung für taubstumme Kinder und  Jugendliche)
  • eine Rallye zu Fuß zusammen mit den russischen Gastgebern
  • eine Begrüßungs- und Abschluss-Disko für Russen und Deutsche
  • ein buntes Programm durch die deutschen Jugendlichen für die russischen Schülerinnen und Schüler

Beim Abschied morgens um 6 Uhr am 26.10.2007 flossen die Tränen auf beiden Seiten reichlich und mehrere unserer deutschen Schüler wollten entweder sofort noch eine Woche länger bleiben, von Moskau gleich wieder,  oder spätestens im nächsten Jahr wieder nach Nishni Nowgorod fahren.   

4.  Fazit

Das dürfte schwierig werden, da die Größe unserer Gruppe sowohl die russischen Lehrerinnen als auch uns deutsche Betreuer vor erhöhte Anforderungen stellte.  In einer so großen Gruppe kommt es ganz natürlich zu mehr Zwischenfällen wie Heimweh-Attacken,  grippalen Infekten, Lebensmittelvergiftungen und Verspätungen.  Es klingt banal, aber schon das Zählen eines so großen Haufens ist schwieriger als ich es von den sehr viel kleineren Gruppen der vorherigen Jahre kannte.

Die Lebensbedingungen, besonders die hygienischen Verhältnisse, die Tatsache, dass das Leitungswasser sich nicht für menschlichen Verzehr eignet, die überfüllten Verkehrsmittel, die oft beengten Wohnungen, die an vielen Stellen bröckelnde Bausubstanz, die schwach entwickelte Infrastruktur  und die russischen öffentlichen Toiletten befremdeten unsere Schüler zunächst, doch gewöhnten sie sich an diese Erscheinungen.

Anders als in früheren Jahren waren dieses Mal wir Deutschen als erste bei unseren Partnern zu Gast, was anfangs unsere Schüler etwas erschreckte:  sie fürchteten das Unbekannte.  Allerdings waren wir uns am Ende der Reise einig, dass diese Reihenfolge viel für sich hat:  die deutschen Jugendlichen haben die  umwerfende Gastfreundlichkeit und Fürsorglichkeit der Russen erlebt und sind nun besser in der Lage, sich ebenso großzügig beim Besuch der Russen bei uns zu verhalten.  In der Vergangenheit wurde der Aufenthalt der Partner  von deutscher Seite mit wenig Aufwand betrieben, und unsere Jugendlichen waren dann in Russland fast etwas beschämt vom Einsatz ihrer Gastgeber.

Unsere jungen Leute verabschiedeten sich in Moskau einzeln von unseren beiden russischen Kolleginnen und bedankten sich herzlich für ihre Fürsorge. 

Alles in Allem war diese Reise ein gelungenes Erlebnis für unsere Schülerinnen und Schüler und uns:  man merkte es am überaus freundlichen Empfang durch die Eltern bei unserer Rückkehr:    Die Jugendlichen hatten sehr positive Nachrichten nach Hause gesendet, so dass wir fest damit rechnen, auch im Jahre 2008 mit der nächsten Russischklasse nach Russland fahren zu können. 

-  Gönna Obsen  -