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24.10.2018 : 3:28 : +0200

Esri Sommercamp 2014 im Nationalpark Sächsische Schweiz

Auf dem Balkon der "Sächsischen Schweiz"
Auf in die Sächsische Schweiz
Datenerfassung mit mobilen Feldcomputern
Wolfsschlucht
Geocaching - Schatzsuche mit GPS
Gautschgrotte
Datenverarbeitung mit GIS
Basteibruecke
Gipfelstuermer am Kletterfelsen

Sonntagmorgen 8:33 Uhr. Freudige Aufbruchstimmung am Syker Bahnhof: Die Klasse 9L hat mit ihrem Beitrag zum Thema Radwege am bundesweiten Esri Schulwettbewerb teilgenommen ... und gewonnen! Als Preis winkt nun vom 15. - 20. Juni das mit Spannung erwartete Sommercamp im Nationalpark Sächsische Schweiz.

Am Bahnhof in Bad Schandau steht schon ein Bus bereit, der die Gruppe hinauf bis nach Hohnstein bringt. Nach einer herzlichen Begrüßung durch unsere Betreuer wandern wir gemeinsam zur Brand-Baude, einer idyllisch gelegenen Herberge mitten im Nationalpark, 170 m hoch über dem Polenztal. Wegen seiner Aussicht wird der Brand auch gern als "Balkon der Sächsischen Schweiz" bezeichnet. Nach dem Abendessen und einem Vortrag, bei dem wir viel Wissenswertes über den Nationalpark erfahren, bleibt noch etwas Zeit, um den grandiosen Panoramablick auf die bizarre Felsenwelt des Elbsandsteingebirges zu genießen ...

Am Montagmorgen werden die Syker Gymnasiasten gleich nach dem Frühstück in ihre Aufgaben eingestimmt: die Erforschung des Nationalparks mithilfe moderner Geotechnologien. Es werden Teams gebildet, der Umgang mit mobilen Feldcomputern geübt, letzte Feinabstimmungen an den Mountainbikes vorgenommen. Gut ausgerüstet mit Lunchpaketen und Getränkevorräten beginnt für die Gruppe nun eine atemberaubende Fahrradtour in ungewohntem Terrain. Nur die sanftwellige Strecke bis Hohnstein erinnert noch ein wenig an norddeutsche Verhältnisse, dann geht es in rasantem Tempo steil bergab ins Polenztal. An markanten Stellen werden immer wieder kleine Stopps eingelegt, um mit den Mini-PCs "Points of Interest" aufzunehmen. Unsere sachkundigen Begleiter haben stets interessante Informationen parat, um uns die kulturhistorische Bedeutung der Mühlen, die erstaunliche Vielfalt der Fließgewässerorganismen und zahlreiche andere Aspekte des Nationalparks näher zu bringen. Nach einer längeren Verschnaufpause nahe der Waltersdorfer Mühle werden dann sämtliche Kraftreserven mobilisiert, um den steilsten Abschnitt der Strecke zu bezwingen und zwischen Felsen und Bäumen schrittweise an Höhe zu gewinnen. Dieser mühsame und schweißtreibende Aufstieg wird kurze Zeit später mit einem phänomenalen Ausblick vom Hockstein belohnt. Während sich ein Teil der Schüler auf der Hockstein-Kanzel erholt und die Aussicht ins Polenztal und auf den Ort Hohnstein genießt, steigt der Rest der Gruppe auf Metalltreppen und Holzstufen, teilweise unter überhängenden Felsen, hinab in die Wolfsschlucht. Die Magie dieser urwüchsigen Felsenwelt ist auf Schritt und Tritt spürbar und soll schon Carl Maria von Weber zur Wolfsschluchtszene im Freischütz inspiriert haben. Im Anschluss führt die 22 km lange Radtour noch einmal durch Berg und Tal, dann ist Hohnstein erreicht. Nach einer Besichtigung der Burganlage geht es zurück zur Brand-Baude, wo am Ende eines anstrengenden und erlebnisreichen Tages das erste WM-Spiel mit deutscher Beteiligung auf uns wartet.

Der Dienstag beginnt mit einer kurzen Einführung ins Geocaching, einer modernen Schatzsuche mithilfe von GPS-Geräten. Auch auf dem Brand ist an prädestinierter Stelle ein Schatz versteckt, der von den Neuntklässlern nach Eingabe der Koordinaten und kurzer Suche schnell enttarnt werden kann. Heute sind wir zu Fuß unterwegs, um besondere Aspekte des Nationalparks zu erforschen und in Gruppen möglichst viele Daten zur Geomorphologie, Flora und Fauna, Kunst und Historie sowie Barrierefreiheit zu erfassen. Die Arbeit mit den GPS integrierten Feldcomputern läuft schon fast wie am Schnürchen... Wir erfahren, dass die Sächsische Schweiz eigentlich gar kein Gebirge ist, sondern ein ehemaliger Meeresgrund der Kreidezeit, der aus mächtigen Sandschichten besteht. Nach Rückzug des Kreidemeeres wurden diese Schichten im Laufe von Jahrmillionen durch Erosion stark zerklüftet. Diesen allmählichen Zerfall demonstriert unser Nationalparkexperte sehr anschaulich - und schmackhaft - anhand einer Schokoladentafel. Aus der Nähe betrachtet erschließt sich die geomorphologische Vielfalt des Elbsandsteingebirges in besonderer Weise: Felswände mit auffälligen Wabenstrukturen, die als Folge der Lösungsverwitterung entstehen, werden zu unserem Wegbegleiter. Derweil beschäftigt sich die Gruppe Flora und Fauna mit den Auswirkungen des Kellerklimas. Anders als in einem richtigen Gebirge nehmen die Temperaturen hier in tieferen Lagen ab, es wird zunehmend kühler und feuchter. In den Tälern, Gründen und Schluchten fühlen sich vor allem Moose und Farne, aber auch die leuchtend gelbe Schwefelflechte wohl, während die trockenwarmen Riff-Kiefernwälder weiter oben z.B. Lebensraum für den Ameisenlöwen bieten. Diese hochspezialisierte Tierart baut kleine Trichter in den Sand und gräbt sich an deren Grund ein, um hineinrutschende Ameisen zu ergreifen und auszusaugen. Derartige Fundorte werden natürlich gleich sorgsam kartiert. Auch die Gruppe Kunst und Historie findet entlang des Malerwegs zahlreiche Motive für die Datenerfassung. Schließlich erreichen wir nach einem Abstecher die Gautschgrotte, eine höhlenartige Vertiefung im Sandstein-Canyon. Auch hier ist ein Geocache versteckt, der dank Teamarbeit bald gefunden wird. Dann folgt eine lange, wohlverdiente Pause, um die Magie dieses Ortes zu inhalieren und Kraft für den Rückweg zu tanken.

Nachdem bisher der Nationalpark und die Datenaufnahme im Fokus standen, rückt am Mittwoch die Arbeit mit ArcGIS for Desktop in den Vordergrund. Nach einer Einführung in die umfangreichen Funktionen der Software durch unseren Campleiter Jens Leibiger werden nun im eigens hergerichteten Computerraum der Brand-Baude alle zuvor erfassten Daten am Laptop analysiert, symbolisiert, mit eigenen Photos versehen und schließlich in einer interaktiven Karte mit ansprechendem Layout dargestellt. Die Arbeit macht Spaß, erfordert aber auch volle Konzentration. Zur Entspannung ist daher heute ein Grillabend geplant.

Am Donnerstag steht die letzte und mit 14 km auch längste Wanderung auf dem Programm. Ziel der ersten Tagesetappe ist die berühmte Bastei, ein Touristenmagnet und Felsvorsprung 200 m über dem Elbtal. Der Aufstieg vom Amselgrund über die Schwedenlöcher bringt uns wieder ins Schwitzen, aber die anschließenden Ausblicke sind einzigartig und jeden Schweißtropfen wert. Wir schlendern über die Basteibrücke, genießen das herrliche Panorama auf der Aussichtsplattform und steigen dann zum Kurort Rathen hinab. Schon bald geht es weiter zum nächsten Highlight, dem Heidestein, einem Kletterfelsen im Gamrig. Kaum jemand aus der Gruppe lässt es sich nehmen, hier unter professioneller Anleitung auf den 18 m hohen Gipfel zu klettern und seinen Wagemut zu beweisen. Als kleines Dankeschön für die ausgesprochen nette und fachkundige Betreuung während des Sommercamps darf das Team von Esri und des Nationalparkzentrums nach dem Abendessen noch ein Mystery lösen und markante Felsen der Sächsischen Schweiz enträtseln, um dann mit den entschlüsselten Koordinaten und GPS-Geräten nach den versteckten Geschenken zu suchen. So geht ein kräftezehrender, aber auch unvergesslicher Tag dem Ende entgegen...

Am Freitagmorgen wird noch schnell ein Gruppenphoto auf der Panoramaterrasse der Brand-Baude geschossen, dann machen wir uns auf den Weg nach Bad Schandau, um im Nationalparkzentrum die Ergebnisse der vergangenen Tage zu präsentieren. Vor der Präsentation ist noch etwas Zeit, um die Ausstellungen des Zentrums über Natur und Kultur und die Erlebnis- und Informationsbereiche zu besichtigen. Schließlich ist es soweit: Mithilfe von Laptop und Beamer stellen die 15 Schüler ausgewählte Aspekte ihrer interaktiven Karten vor. Am Ende der Veranstaltung werden den Teilnehmern des Esri Sommercamps vom Leiter des Nationalparkzentrums Zertifikate überreicht. Dann heißt es Abschied nehmen. Nach einer erlebnisreichen und sonnigen Woche fallen am Fähranleger die ersten Regentropfen. Und eine lange Heimreise beginnt...

Georg Wedemeyer