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16.7.2018 : 21:47 : +0200

Spätsommer an der Wolga

Syker Gymnasiasten kehren von Schüleraustausch aus Nischni Nowgorod zurück

(Kreiszeitung 27.9.12)

Von Frank Jaursch
SYKE/NISCHNI NOWGOROD -Tränen zum Abschied. Auch wenn der Schüleraustausch zwischen dem Syker Gymnasium und dem Gimnazija No 1 aus Nischni Nowgorod bereits eine lange Tradition hat: Für die Teilnehmer ist die Reise in die fünftgrößte Stadt Russlands immer wieder ein Anlass für große Gefühle.
Am vergangenen Wochenende kehrten die 26 Schülerinnen und Schüler nach zwei aufregenden Wochen an der Wolga nach Hause zurück. Seit mehr als 20 Jahren läuft nun bereits der Austausch der Syker mit Schülern aus der russischen Millionenstadt. Gefördert von der Stiftung Deutschrussischer Jugendaustausch, hatten die Neuntklässler Gelegenheit, in russischen Familien zu leben.
Ein unschätzbares Privileg, findet Gönna Obsen. "So eine Reise in ein anderes Land, wo man hautnah das Familiengeschehen erlebt, ist ein anderes Lernen als in der Schule", betont die mittlerweile pensionierte Lehrerin. Sie hat gemeinsam mit den Lehrkräften Anke Meyer-Bode und Markus Kock die 9 ps begleitet.
Ein umfangreiches Programm bildete wieder den Rahmen der Fahrt: mit Stadtrundfahrt und Besuch einer Matrjoschka-Fabrik, Unterrichtsbesuche und Pampfertour auf der Wolga. Einen Höhepunkt stellte zudem der Besuch des Taubstummentheaters "Piano" dar. "Im letzten Jahr hatten Schüler der jetzigen zehnten Klassen Geld für dieses Projekt gesammelt", berichtet Anke Meyer-Bode. "Drei Schlafräume wurden renoviert und Geräte für ein Spielzimmer gekauft." . Die prägendsten Momente aber dürften äußerhalb des offiziellen Teils stattgefunden haben: Freundschaften, die sich über Grenzen hinweg bilden - Einblicke in eine fremde Kultur. Sprachliche Probleme gab es dabei kaum, nicht zuletzt, weil am Gimnazija No 1 Deutsch bereits vom zweiten Schuljahr an als Fremdsprache gelehrt wird.

Auch wenn Gönna Obsen schon mehr als 20-mal den Weg nach Nischni Nowgorod angetreten war: Eine Premiere gab's auch diesmal - wenn auch eine, auf die die Gruppe gern verzichtet hätte: Eine Jugendliche musste mit einem Verdacht auf Lebensmittelvergiftung in eine Klinik gebracht werden. Am Ende gab es schnell Entwarnung, aber "man erschrickt sich", berichtet Obsen.

     Schülerwunsch: Nächstes Mal drei Wochen.

Die russische Metropole zeigte sich derweil von seiner schönsten Seite: mit reichlich spätsommerlichem Sonnenschein und 15 bis 20 Grad Temperatur. Das Erscheinungsbild der Stadt hat sich seit der ersten Austauschreise dramatisch verändert, erinnert sich Obsen. Viele Hochhaus-Neubauten, knallbunte Reklame und Autos ohne Ende: Nischni Nowgorod "ist viel großstädtischer geworden". Und auch bei den Schülern habe längst auch optisch die Globalisierung Einzug gehalten.
"Vor 20 Jahren konnte man von weitem erkennen: Das sind Russen, das sind Deutsche", erzählt die Lehrerin. Heute sei der Unterschied kaum erkennbar. Mit einer Ausnahme: "Die russischen Frauen hübschen sich mehr auf- ich hab noch nie so hohe Absätze gesehen", lacht Obsen.
So manchem Jugendlichen waren die zwei Wochen in Russland noch zu kurz, wie beim Auswerten des abschließenden Fragebogens deutlich wurde: "Ich schlage vor, dass der Austausch über drei Wochen geht, denn die zwei Wochen waren zu schnell rum", sagte Kimberly Hoberg. Im Frühjahr kommen die russischen Schüler zum Gegenbesuch nach Syke -und werden schon jetzt sehnsüchtig erwartet.