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20.6.2018 : 22:43 : +0200

Frühlingserwachen (Seminarfach - 2012)


Mehrere Musical-Einlagen peppten das Schauspiel auf.

Frühlingserwachen (Seminarfach - 2012)

Kreiszeitung Syke (23.3.2012)

Gymnasium Syke brachte Frank Wedekinds Drama "Frühlings Erwachen" in einer eigenen Bearbeitung auf die Bühne

Emotionale Achterbahnfahrt für Schauspieler und Publikum

Syke - Von Jemima Fiedlschuster - "Um ein Kind zu bekommen, muss man den Mann, mit dem man verheiratet ist, lieben." Eine genauere Erklärung bekommt die junge Wendla von ihrer Mutter nicht auf die Frage, woher denn die Kinder kämen. Und dabei hätte eine ehrliche Aufklärung ihr Leben retten können.

Gesellschaftskritisch und ungeschönt erzählt Frank Wedekind in seinem Drama "Frühlings Erwachen" die Geschichte mehrerer  Jugendlicher, die mit Problemen des Heranwachsens kämpfen. Am Mittwoch und Donnerstag führten die 27 Teilnehmer des Seminarfachs "Theater" in der Aula des Gymnasiums ihre eigene Fassung davon auf.

Die Schüler überzeugten durch ihre schauspielerische Leistung sowie die gelungene Bearbeitung des Stücks mit einer angemessenen Prise Humor und gekonntem dramaturgischen Aufbau.

Zwei Jahre Arbeit gingen der Aufführung voraus. Im November begannen die Proben. Schulleiter Claus-Dieter Lösche: "Besonders beeindruckend war die Weiterentwicklung aller während dieser Zeit."

Die letzten vier Wochen opferten die Jugendlichen sogar ihre Wochenenden für die Proben. Vor allem an Gestik und Mimik wurde bis zum Schluss gefeilt. Die meisten schrieben sich ohne große Vorkenntnisse für das Seminarfach ein – was jedoch dem überzeugenden und mitreißenden Auftritt nicht anzumerken war. So glänzte zum Beispiel die 18-jährige Julie Kerdellant, die sich ohne vorherige Erfahrungen ans Schauspielen wagte, in der herausfordernden Rolle des Hänschen Rilow, der homosexuelle Neigungen verspürt.

Das Stück, als Drama veröffentlicht 1891, uraufgeführt aber erst 1906, erzählt von Jugendlichen, die im Zuge ihrer Pubertät mit psychischer Instabilität und der gesellschaftlichen Inakzeptanz ihrer sexuellen Neugier konfrontiert sind.

Der jungen Wendla Bergmann wird die Tabuisierung der Sexualität schließlich zum Verhängnis. Aufgrund unterlassener Aufklärung wird die Vierzehnjährige ungewollt schwanger und stirbt an den Folgen einer illegalen Abtreibung.

Der fünfzehnjährige Moritz Stiefel ist mit der Schule und seinen aufkeimenden Gefühlen überfordert und sieht keinen anderen Ausweg als den Selbstmord.

Auch das Thema Homosexualität wird berührt – damals ein Tabubruch.

Am Schluss fordern sowohl der Tod als auch das Leben den fünfzehnjährigen Melchior Gabor sinnbildlich auf, ihnen die Hand zu reichen. Im Gegensatz zu seinem Freund Moritz wendet Melchior sich dem Leben zu. Mit dieser positiven Botschaft endet die knapp zweistündige Aufführung.

Nicht nur die Hauptpersonen in Wedekinds Stück befanden sich auf einer emotionalen Achterbahnfahrt, auch das Publikum war die ganze Zeit mit dem Herzen dabei. Und so ernteten die Schüler schließlich kräftigen Beifall.

Auch Volkmar Heitfeld, seit langem Inszenator gelungener Theaterstücke am Gymnasium Syke, ist stolz auf die "großartige Leistung" seiner Schützlinge. "Ich habe 20 Jahre darauf gewartet, dieses Stück aufzuführen. Nie hatten die Schüler Interesse, aber nun hat es endlich geklappt."