Sie befinden sich hier: Schule Aktiv > Fachbereiche / Fächer > Biologie > Sinneswelten > 
DeutschEnglishFrancais
21.8.2018 : 3:55 : +0200

Herr Schilling und sein Blindenhund Merlin

Wir, die Klasse 8F1, haben uns im Rahmen des Biologieunterrichts bei Frau Liebich mit dem Thema "Sinneswahrnehmungen" beschäftigt. Zu dem Unterrichtsstoff "das Auge" besuchten uns am 1. November 2010 Andrea Wöbse von der Blinden- und Sehbehindertenhilfe und Holger Schilling zusammen mit seinem Blindenhund Merlin. Wir waren sehr neugierig und gespannt auf ihren Besuch.

Zuerst einmal berichtete Holger Schilling uns, dass er von Geburt an eine Sehbehinderung hat und nur zu 5 % sehen kann. Er könne sich nicht vorstellen, wie es sei, zu 100 % sehen zu können so wie wir uns ebenfalls nicht wirklich vorstellen können, wie das Leben ohne Sehsinn ist! Herr Schilling beschrieb uns, wie er seine Umwelt wahrnimmt: Er könne nur grobe Umrisse ausmachen, weshalb er auf Hilfsmittel angewiesen sei. Viele dieser Hilfsmittel hat er uns auch mitgebracht:

Zum Beispiel zeigte er uns seinen "Einkaufsfuchs". Es ist ein spezielles Hilfsgerät, das er beim Einkaufen über ein Produkt bewegt, bis es eingescannt wird. Eine computergesteuerte Stimme nennt ihm daraufhin den genauen Namen des Artikels. Als das Gerät auch von uns mitgebrachte Getränke anhand des Strichcodes erkannte, waren wir sehr erstaunt, was dieses Gerät alles leisten kann. Und so kann Herr Schilling, ohne auf die Hilfe seiner Mitmenschen angewiesen zu sein, selbständig und problemlos einkaufen gehen.

Ein weiteres Hilfsmittel ist sein Blindenstock, der ihm bei der Orientierung in einer fremden Umgebung helfen kann. Aber auch die Fortbewegung in einer bekannten Umgebung stellt kein Problem für ihn dar. Wir haben dazu ein kleines Experiment in der Klasse gemacht: Zwei von uns bekamen ihre Augen verbunden und sollten nun versuchen, sich in unserem Klassenzimmer frei fortzubewegen. Doch das war gar nicht so einfach. Eine Schülerin ist sogar gegen die Wand gelaufen. Wir verlieren also mit geschlossenen Augen sofort die sichere Orientierung, sogar in einer sehr bekannten Umgebung (Klassenzimmer).

Holger Schilling hat uns berichtet, dass er verheiratet ist und zwei Kinder hat. Wie wir vielleicht anfangs nicht erwartet hätten, übt er sogar einen Beruf aus. Er arbeitet als Verwaltungsfachwirt in einem Büro. Auch dort greift er auf verschiedene Hilfsmittel zurück.

Des Weiteren haben wir erfahren, wie es einem Blinden ermöglicht wird zu lesen. Es wurde eine Blindenschrift entwickelt, die vermutlich jeder schon einmal auf Verpackungen (z.B. von Medikamenten) gesehen hat. Diese Schrift setzt sich aus vielen kleinen hervorstehenden Punkten zusammen. Jeder Buchstabe hat eine verschiedene Anzahl und Anordnung dieser Pünktchen. Ein Blinder liest also mit dem Finger. Auch wir durften dieses einmal ausprobieren und bekamen ein kleines Blättchen mit dem Blindenschrift-Alphabet geschenkt. Wir alle probierten das Ertasten der Buchstaben aus und fanden es unglaublich schwierig.

Am interessantesten war es, den Blindenführhund Merlin kennen zu lernen. Er ist ein zweijähriger Mischling aus Labrador und Golden Retriever. "Der Blinde muss sich zu 100 % auf seinen Hund verlassen können!", erklärte uns Holger Schilling. Deshalb muss Merlin sehr streng erzogen werden und wurde entsprechend ausgebildet. Er beherrscht z. B. Kommandos wie "Such Telefonzelle", "Such Bank", "Such Ampel". Die Schülerinnen und Schüler unserer Klasse fanden dieses sehr beeindruckend. "Such Treppe abwärts" zeigte uns Holger Schilling sogar in der Schule. Anschließend gingen wir mit Merlin auf den Pausenhof und haben folgendes Experiment gemacht: Wir verteilten uns in unregelmäßigen Abständen von ungefähr ein bis zwei Metern. Mit dem Kommando "Such Weg" führte Merlin sein Herrchen einwandfrei durch die Schülergruppe. Es ist wirklich toll, was Merlin alles kann. Abschließend durften wir Merlin noch streicheln und verabschiedeten unsere Besucher.

Wir fanden es sehr interessant und spannend, einen Einblick in das Alltagsleben eines Blinden zu erhalten und haben uns sehr über den Besuch von Frau Wöbse, Herrn Schilling und Merlin gefreut.

Von Theresa Johannßen und Annika Schütte (8F1)