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19.11.2018 : 21:23 : +0100

Nishnij Novgorod (27.09.-08.10.2009)

Applaus ertönte aus den Sitzreihen des Flugzeugs, als wir am Sonntag, dem 27. September 2009, nach der langen und anstrengenden Reise mit dem Flugzeug gegen 16 Uhr auf russischem Boden in Moskau landeten. Denn obwohl alle ziemlich erschöpft und müde waren, konnte das unsere Freude nicht im Geringsten dämpfen.

Bereits am frühen Morgen mussten wir aufstehen, um uns um 6 Uhr am Syker Busbahnhof zu treffen. Nachdem wir uns mehr oder weniger herzzerreißend von unseren Eltern und Geschwistern verabschiedet hatten, fuhr uns der Bus nach Hamburg zum Flughafen, von wo aus wir über Berlin nach Moskau flogen.

Als wir auf russischem Grund gelandet waren, waren alle hellauf begeistert und zwei Mitschüler sogar sehr erleichtert, dass der Flug endlich vorbei war, denn sie litten unter Flugangst. Als wir dort von einer russischen Lehrerin und einer Gastgeberin abgeholt wurden, aus dem überaus modernen Flughafen Domodedowo hinausgingen und auf unseren Bus warteten, der uns zu unserem Jugendhotel "Moscow Home-Hostel" bringen sollte, sahen wir schon von weitem den Stau, in den wir noch geraten sollten, da viele russische Familien auf dem Rückweg von ihren Datschas waren. So kam es, dass wir erst am Abend, nach fast vier Stunden Busfahrt, in unserem Jugendhotel ankamen.

Die Unterbringung war ziemlich eng und einfach und die Zimmer zum Schlafen nicht immer ganz so ordentlich, sauber und aufgeräumt, aber für eine einzige Nacht ließ es sich dort aushalten, zumal die Unterbringung für Moskau, der teuersten Stadt der Welt, sehr preiswert war (ca 15 Euro pro Person). Am späten Abend haben wir dann noch bei McDonald's gegessen.

Am nächsten Morgen gab es ein etwas karges Frühstück, das wir mehr oder weniger mochten: Weißbrot, Butter, Käse, Wurst, Marmelade und Kaffee oder Tee. Am Tag unternahmen wir  eine Stadtrundfahrt mit dem Bus und besichtigten den Roten Platz und den Kreml. Nach der Führung hatten wir die Möglichkeit, in kleinen Gruppen alleine durch das Gelände rund um den Kreml zu laufen, was viele als Chance nutzten, ein wenig zu essen und das große Kaufhaus "GUM" am Roten Platz und das unterirdische Kaufhaus in der Nähe zu besuchen.

Danach fuhren wir zum Moskauer Bahnhof und weiter mit dem Zug nach Nishnij Novgorod. Die Ankunft war gleichzeitig freudig und auch ein wenig chaotisch. Wir wurden von unseren Gastfamilien abgeholt und verbrachten den ersten Abend in der Familie.

Am Dienstagmorgen wurden wir alle ganz herzlich von der stellvertretenden Schulleiterin begrüßt, die eine kleine Ansprache über den Verlauf des Aufenthalts hielt. Es folgten eine Stunde Theaterunterricht und eine Führung durch die Schule. Danach besuchten wir in kleinen Gruppen den Deutschunterricht und unternahmen einen kleinen Stadtrundgang.

Nachdem wir den Nachmittag mit unseren Gastgebern verbracht hatten, gab es am Abend eine Begrüßungsfeier, die uns allen sehr gut gefallen hat.

In den darauf folgenden Tagen nahmen wir vormittags fast jeden Tag am Unterricht teil und bereiteten in zwei Gruppen zwei kleine Theaterstücke auf Russisch für das Bunte Programm am letzten Tag vor, übten russische Lieber und probten auch unsere Vorträge, die wir zu Hause vorbereitet hatten. Die Nachmittage verbrachten wir fast immer mit unseren Gastgebern, deren Freunden und - wenn vorhanden - deren Austauschpartnern aus unserer Klasse.

Wenn wir an den Vormittagen nicht in der Schule waren, nahmen wir folgende Programmpunkte wahr: 

  • Ausflug nach Semjonow (Matrjoschka-Fabrik)
  • Exkursion zu der Autofabrik "Gas" und zu Extrimland
  • Besuch des Kunstmuseums im Kreml und der Gemäldegalerie "Jurkowka"
  • Ausflug nach Gorodez (Stadt, Samowarmuseum)
  • Arbeit an unserem Projekt

Außerdem haben wir Freitag Abend den Zirkus der Stadt besucht und zwei Wettkämpfe in der Sporthalle veranstaltet (Basketball und Stafette).

An unserem letzten Tag gab es morgens in der Schule ein buntes Programm, bei dem wir unsere erarbeiteten Stücke den russischen Gastgebern vorstellten, obwohl nicht so viele anwesend waren. Ein Schüler des Jahrgangs hatte sich eine ansteckende Krankheit zugezogen, was Quarantäne-Maßnahmen zur Folge hatte. Auch einige russische Schüler führten etwas vor; z.B. eine Szene aus einem Tschechov-Stück. Julian begeisterte das Publikum mit seinem Klaviervortrag und auch die deutschen und englischen Lieder kamen gut an.

Am Abend gab es dann einen in unseren Augen wunderbar gelungenen Abschiedsabend. Wir fuhren in ein nettes Cafe, wo es Musik, eine Tanzfläche und leckeres Essen gab. Uns allen hat dies sehr gut gefallen, da nicht nur der Ablauf des Abschiedsabends abwechslungsreich und interessant war, sondern auch das Cafe total modern und abstrakt eingerichtet war.

Beim Abschied am 8.10.2009 flossen etliche Tränen. Viele waren traurig, wollten noch eine Woche länger bleiben, andere wiederum freuten sich schon auf zu Hause. Schließlich aber ging es mit dem Zug zurück nach Moskau.

Den Flug haben wir alle recht gut überstanden, obwohl wir erst richtig Angst hatten, ob wir überhaupt fliegen konnten, da einer aus unserer Klasse am Flughafen bemerkte, dass er seinen Reisepass verloren hatte. Das gab natürlich einen mächtigen Aufruhr und es musste sogar die deutsche Botschaft zu Hilfe gerufen werden, um alles zu regeln.

Schließlich aber saßen wir doch alle wohlbehalten im Flugzeug und traten unseren Flug zurück nach Hamburg an.

Mit dem Bus ging es zurück zum Syker Busbahnhof, wo wir um ca. 21 Uhr ankamen und von unseren Familien abgeholt wurden. Viele von uns sind zu Hause sofort ins Bett gefallen und haben am nächsten Tag lange ausgeschlafen.

Alles in allem war die ganze Reise ein großartiges Erlebnis. Natürlich kam es zu einigen Zwischenfällen und zwei von uns wurden auch leicht krank, aber zum Glück sind wir ja alle wieder gesund und munter zurückgekommen.

Obwohl uns am Anfang manches ein wenig fremd vorkam, bereitete die Umstellung auf ungewohnte Lebensbedingungen, z.B. das nicht trinkbare Leitungswasser, die hygienischen Verhältnisse, die überfüllten Busse und Straßenbahnen, der unübersichtliche Verkehr, die kleinen Wohnungen und die Schultoiletten, keine allzu großen Schwierigkeiten.

An sich denken wir aber, dass alle sehr froh sind, in Russland gewesen zu sein und die Fahrt allen auch Spaß gemacht hat, obwohl einige wohl nicht ganz so gut mit ihren Gastgebern klar kamen. Trotzdem war es ein gelungenes Erlebnis für uns und das liegt sicher auch daran, dass die Russen sich sehr gut um uns gekümmert haben.

Dank eines Zuschusses durch die Deutsch-Russische Stiftung in Hamburg war die Reise auch nicht so teuer.

Einige sind sich jetzt schon sicher, dass sie im nächsten Jahr wieder beim Austausch mitmachen wollen.

Kathleen Lüders und Julian Steiniger im Namen der Klasse 9ps