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25.5.2018 : 13:09 : +0200

Naturwissenschaft gegen Kirchenlehre

Doch es kam zum Streit zwischen den Vertretern der Naturwissenschaften und der katholischen Kirche. Denn die Bibel bestätigte angeblich die Unbeweglichkeit der Erde. Das Inquisitionsgericht in Rom untersagte 1633 Galilei die Verbreitung der neuen Lehre. Zunächst hielt er sich nicht an die Anweisung, beugte sich aber schließlich unter Androhung der Folter doch.

Nur der Verstand und eigene Erfahrung zählen

Der Engländer Agricola Carpenter sagte 1652: "Ich könnte niemals meine Vernunft zugunsten der Meinung der Alten aufgeben." Das eigene Denken, die Vernunft, löste bei den Wissenschaftlern nach und nach das Vertrauen auf die Wahrheit der überlieferten Weltsicht ab. Mit Hilfe des geplanten Experiments wurde überprüft, ob sich ein Ding oder eine Entscheidung unter den gleichen äußeren Bedingungen immer gleich verhält. War dies der Fall, konnte man ein allgemeingültiges Gesetz aufstellen. Galilei verglich die Welt mit einem Buch, welches man nur lesen könne, wenn man die Sprache der Mathematik verstehe, dessen Buchstaben Dreiecke, Kreise und andere geometrische Figuren seien. Gelehrte wie er gingen davon aus, daß sich die ganze Welt mit dem Verstand (lat. "ratio") erfassen und erklären ließe und daß die neuen Erkentnisse, die man so über die Natur gewinnen würde, die Menschheit endlich aus Unrecht und Chaos in eine glückliche Zukunft führen könne. Dieser Glaube an die Macht der Vernunft und die Zurückführung aller Erscheinungen des Lebens und der Natur auf nachprüfbare Gesetzmäßigkeiten wird als "Rationalismus" bezeichnet.

Das Jahrhundert der Aufklärung

"Was ist Aufklärung?"

1784 erschien eine Schrift des deutschen Philosophen Immanuel Kant (1724-1804), in der er die Frage "Was ist Aufklärung?" mit dem Satz beantwortet:" Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!" Das "Dunkel" des Aberglaubens und der Vorurteile sollte vom "Licht" menschlicher Vernunft verdrängt werden.

Die neue geistige Strömung war gegen Ende des 17. Jahrhunderts in England und Holland entstanden, hatte ihre breiteste Wirkung in Frankreich erreicht und dann auch in Deutschland an Boden gewonnen. Alle Schranken, die Tradition und Vorurteile zwischen den Menschen erreicht hatten, sollten verschwinden. Gleichheit statt Privilegien, Fähigkeit statt Geburt sollten die Stellung des einzelnen in der Gesellschaft bestimmen. Die "Freidenker" erkannten nur die Vernunft als Autorität an. Sie glaubten an einen Gott, der die Welt in Gang gebracht hatte, in den Naturablauf aber nicht mehr eingriff (Deismus). Die meisten Aufklärer teilten diese Vernunftreligion. Einige lehnten Gott überhaupt ab (Atheisten). Für sie gab es nichts außer den materiellen Dingen der sichtbaren Welt (Materialisten). Fast allen Aufklärern war die Form des Glaubens gleichgültig, wenn er nur die Menschlichkeit förderte. Die Duldung Andersdenkender, Toleranz, wurde zu einer der großen Forderungen der Zeit.

Aufklärung (französisch "lumieres", englisch "enlightenment"): Eine in Europa im 18 Jh. von gebildeten Menschen vertretene Grundeinsiellung, die vom Glauben an die Vernunft in jedem Menschen geprägt ist Der Gebrauch des eigenen Verstandes (lat. "ratio", d.h. Vernunft, Verstand) befreie die Menschen aus den alten Abhängigkeiten der Kirche und des Königtums und führe zu mehr Glück, Toleranz und Selbstbestimmung. Mit Hilfe der Wissenschaften und durch eine vernünftige Erziehung mache die Menschheit ständig Fortschritte auf eine bessere Welt hin

Die Forderung nach Toleranz und Menschlichkeit

Die Folter wurde abgeschafft und der Hexenwahn überwunden, der in den drei Jahrhunderten vor der Aufklärung in allen zivilisierten Ländern grausam gewütet hatte. Allein in Deutschland waren im 17. Jahrhundert etwa 100.000 Hexen verbrannt worden.

Toleranz und Menschlichkeit kennzeichneten die vielen Bünde, in denen sich Anhänger der Aufklärung im 18. Jahrhundert zusammenfanden. Am bekanntesten war der Bund der Freimaurer; der 1717 in London gegründet wurde. Sein Name weist auf die mittelalterlichen Bauhütten hin, an deren Überlieferung die Freimaurer anknüpften. Viele Gebildete in ganz Europa schlössen sich ihnen an. Sie sahen in allen Menschen das Gemeinsame; Unterschiede in Volkszugehörigkeit, Sprache und Glauben galten ihnen wenig.

Die Toleranz brachte gegen Ende des 18 Jahrhunderts den europäischen Juden endlich eine Verbesserung ihrer Stellung in der Gesellschaft. Seit dem Mittelalter waren die Juden in abgegrenzte Wohnbezirke (Ghetto) gedrängi worden Als Gläubige einer anderen Religion blieben sie sozial geächtet, durften viele Berufe nicht ergreifen und waren Verfolgungen ausgeliefert. Als Geldgebern absolutistischer Fürsten gelang einigen Juden der Aufstieg in die oberen Gesellschaftsschichten. Erst die Aufklärung sah im Juden den Menschen, für dessen Wert Herkunft und Religion belanglos sind

Verbreitung der neuen Ideen

Die Aufklärer fanden sich in Lesegesellschaften zusammen, die eigene Leihbibliotheken unterhielten. Um 1750 gab es in Deutschland ca. 500 Wochenschriften mit Namen wie "Der Menschenfreund" oder "Der Weltbürger", die ihre Leser auf unterhaltsame Weise belehren wollten. Sie kämpften gegen Vorurteile und Aberglauben, schilderten ein tugendhaftes Leben als angenehm und lohnend. In jedem Menschen müsse die Vernunft über die Leidenschaft herrschen. An Rousseau orientiert wurden Ratschläge für eine naturgemäße und vernünftige Kindererziehung gegeben. Jedoch machten die Leser nicht mehr als ein Prozent der Bevölkerung aus. Am Ende der Autklärungszeit (um1800) konnten in Deutschland immerhin zwischen 25 und 30 Prozent der Bevölkerung lesen.

(Zusammenstellung aus Geschichtsbüchern Klasse 7/8)